{"id":474,"date":"2025-12-21T10:18:40","date_gmt":"2025-12-21T10:18:40","guid":{"rendered":"https:\/\/tusw.de\/?p=474"},"modified":"2025-12-21T10:22:15","modified_gmt":"2025-12-21T10:22:15","slug":"wie-entstand-der-name-taekwondo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tusw.de\/index.php\/2025\/12\/21\/wie-entstand-der-name-taekwondo\/","title":{"rendered":"Wie entstand der Name Taekwondo"},"content":{"rendered":"\n<p>ein Beitrag von Taekwondo Aktuell<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"240\" src=\"https:\/\/tusw.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/taekwondo_conflict-20100530-163602.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21\" style=\"width:458px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/tusw.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/taekwondo_conflict-20100530-163602.jpg 320w, https:\/\/tusw.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/taekwondo_conflict-20100530-163602-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der richtige Begriff zur richtigen Zeit<br>\u201eIch brauchte dringend einen neuen Namen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der 11. April 1955 gilt oft als Geburtsstunde des Taekwondo. Ganz korrekt ist das nicht \u2013 vielmehr war es die feierliche Taufe. Dennoch ist das Datum, das sich heuer zum 70. Mal j\u00e4hrt, ein bedeutender Meilenstein: Es markiert den Moment, in dem Taekwondo seine eigene Identit\u00e4t fand und den Grundstein f\u00fcr seinen weltweiten Siegeszug legte.<\/strong>Die Namensfindung f\u00fcr Produkte, Dienstleistungen oder Organisationen ist von entscheidender Bedeutung und kann \u00fcber Erfolg oder Misserfolg entscheiden. General Choi Hong-hi bewies in dieser Hinsicht gro\u00dfes Geschick: Die von ihm 1955 \u201eTaekwon-Do\u201c getaufte Kampfkunst entwickelte sich nicht nur zum koreanischen Nationalsport, sondern erlangte weltweite Popularit\u00e4t. Der Name war ein Befreiungsschlag, der die Verbindung zum japanischen Karate kappte und eine eigenst\u00e4ndige Identit\u00e4t unterstrich.<\/h3>\n\n\n\n<p>1983 schrieb Choi im ersten Band der&nbsp;<em>Encyclopedia of Taekwondo<\/em>:<br><em>\u201e1955 wurde der Name Taekwon-Do von einem Gremium aus Ausbildern, Historikern und anderen prominenten Pers\u00f6nlichkeiten als neuer Name f\u00fcr die nationale Kampfsportart gew\u00e4hlt. Der von General Choi vorgeschlagene Name wurde einstimmig angenommen, weil er die Kunst treffend beschreibt: Tae (Fu\u00df), Kwon (Faust), Do (Weg). Dieser neue Name hatte nicht nur eine gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit dem alten Begriff Taekkyon, sondern verlieh der Kunst auch einen neuen Sinn f\u00fcr Nationalstolz, da die damals vorherrschenden Namen Dang Soo und Kong Soo chinesisch klangen und mit den japanischen Kampfk\u00fcnsten assoziiert wurden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt: Die Wahl des Namens folgte einer klaren Strategie. Doch so geradlinig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, verlief der Prozess nicht \u2013 wie ein aufschlussreiches Interview zeigt, das der Autor und Taekwondo-Historiker He-Young Kimm in den Jahren 1998 und 1999 mit Choi f\u00fchrte. Dieses Gespr\u00e4ch gew\u00e4hrt faszinierende Einblicke in die fr\u00fchen Jahre unseres Sports.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anregung vom Staatspr\u00e4sidenten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den entscheidenden Ansto\u00df zur Namens\u00e4nderung gab ein hoher Besuch: Der erste s\u00fcdkoreanische Staatspr\u00e4sident, Rhee Syng-man, wohnte einer Parade der von General Choi gegr\u00fcndeten 29. Infanteriedivision der koreanischen Armee bei. Choi unterrichtete hier Tang Soo Do \u2013 fr\u00fches Taekwondo, noch bevor es diesen Namen trug. Pr\u00e4sident Rhee zeigte sich begeistert und rief aus:&nbsp;<em>\u201eDas ist Taekkyon \u2013 ich m\u00f6chte, dass alle unsere Soldaten das trainieren!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Aussage war f\u00fcr Choi aus zwei Gr\u00fcnden bedeutsam. Erstens erhielt er damit die offizielle Legitimation, Tang Soo Do weiter in der Armee zu verbreiten. Zweitens kam ihm eine entscheidende Erkenntnis:<br><em>\u201ePr\u00e4sident Rhees Beschreibung unserer Kampfkunst als Taekkyon brachte mich auf den Gedanken, dass Tang Soo Do einen neuen Namen brauchte \u2013 einen, der Taekkyon \u00e4hnelte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Denn der Begriff Taekkyon stand f\u00fcr eine urspr\u00fcngliche koreanische Kampfkunst, w\u00e4hrend Tang Soo Do lediglich die koreanische \u00dcbersetzung des japanischen Wortes Karate war. Doch die Techniken, die Choi lehrte, waren weder reines Taekkyon noch Tang Soo Do \u2013 er erkannte die Notwendigkeit eines neuen Namens. So entschied er sich f\u00fcr den Begriff&nbsp;<em>Taekwon-Do<\/em>&nbsp;und pr\u00e4sentierte ihn 1955 der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Um m\u00f6glichen Widerst\u00e4nden gegen die neue Bezeichnung zuvorzukommen, entschied Choi, den Namen nicht einfach eigenm\u00e4chtig zu verk\u00fcnden. Stattdessen berief er ein Komitee aus hochrangigen Vertretern von Politik, Milit\u00e4r und Presse ein. Diese stimmten der Bezeichnung Taekwon-Do grunds\u00e4tzlich zu \u2013 allerdings unter einer Bedingung: Pr\u00e4sident Rhee musste den Namen pers\u00f6nlich absegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gestaltete sich schwieriger als erwartet. Rhee lehnte Taekwon-Do zun\u00e4chst ab und favorisierte weiterhin Taekkyon. Erst durch eine geschickte Intervention Chois beim Stabschef des Pr\u00e4sidenten konnte eine Meinungs\u00e4nderung bewirkt werden: Schlie\u00dflich erhielt der Begriff Taekwon-Do die offizielle Genehmigung von h\u00f6chster Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Siegeszug mit Hindernissen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer nun glaubt, dass damit der unaufhaltsame Siegeszug des Taekwon-Do begann, irrt. Zwar setzte sich der Name rasch innerhalb der Armee durch, doch die&nbsp;<em>Kwans<\/em>&nbsp;\u2013 die zivilen Kampfkunstschulen \u2013 hielten gr\u00f6\u00dftenteils an ihren traditionellen Bezeichnungen wie Tang Soo Do fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst 1959 lud Choi die F\u00fchrer der vier gr\u00f6\u00dften&nbsp;<em>Kwans<\/em>&nbsp;ein und pr\u00e4sentierte ihnen seinen n\u00e4chsten gro\u00dfen Plan: die Gr\u00fcndung der Korea Taekwon-Do Association, die als Mitglied in die Korea Sports Union aufgenommen werden sollte. Dies war jedoch nur m\u00f6glich, wenn sich alle auf einen einheitlichen Namen verst\u00e4ndigten.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerstrebend stimmten die Vertreter der&nbsp;<em>Kwans<\/em>&nbsp;zu, und Choi wurde der erste Pr\u00e4sident der neu gegr\u00fcndeten Korea Taekwon-Do Association. Doch die weitere Entwicklung des Verbandes wurde durch die politischen Unruhen jener Zeit gebremst. Im April 1960 zwangen landesweite Demonstrationen, die als 19. April Revolution in die Geschichte eingingen, Pr\u00e4sident Rhee zum R\u00fccktritt. Ein Jahr sp\u00e4ter, im Mai 1961, \u00fcbernahm General Park Chung-hee durch einen Milit\u00e4rputsch die Macht. Choi Hong-hi unterst\u00fctzte diesen Putsch zun\u00e4chst, doch als sich Park 1963 zum Pr\u00e4sidenten ausrufen lie\u00df, kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spannungen f\u00fchrten schlie\u00dflich dazu, dass Choi auf einen Posten als Botschafter in Malaysia abgeschoben wurde. Kurz vor seiner Abreise versuchte er noch, die Korea Taekwon-Do Association endg\u00fcltig in die Sports Union zu bringen \u2013 nicht ahnend, dass die&nbsp;<em>Kwan<\/em>-F\u00fchrer die dazu einberufene Versammlung nutzen w\u00fcrden, um den Namen des Verbandes von&nbsp;<em>Taekwon-Do Association<\/em>&nbsp;in&nbsp;<em>Tae-Soo-Do Association<\/em>&nbsp;zu \u00e4ndern. F\u00fcr Choi war dies ein herber R\u00fcckschlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst nach seiner R\u00fcckkehr nach Korea im Jahr 1965 konnte er den Namen Taekwon-Do endg\u00fcltig durchsetzen. Er erinnerte sich dabei an ein koreanisches Sprichwort:&nbsp;<em>\u201eWenn du einen Tiger fangen willst, musst du in seine H\u00f6hle gehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Choi \u00fcbernahm kurzerhand die Pr\u00e4sidentschaft der&nbsp;<em>Tae-Soo-Do Association<\/em>. Wenig sp\u00e4ter berief er eine Versammlung ein und stellte den Antrag, den Namen des Verbandes erneut in Taekwon-Do zu \u00e4ndern. Mit nur einer Stimme Mehrheit wurde der Antrag angenommen \u2013 damit war der Weg f\u00fcr den endg\u00fcltigen Siegeszug des Begriffs Taekwon-Do geebnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Taekwon-Do oder Taekwondo?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heute existieren zwei Schreibweisen f\u00fcr die Kampfkunst:&nbsp;<em>Taekwon-Do<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>Taekwondo<\/em>. Der Unterschied liegt in der Entwicklung der beiden gro\u00dfen Verb\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Taekwon-Do<\/strong>: Diese Schreibweise wurde von General Choi gepr\u00e4gt und ist vor allem im\u00a0<strong>International Taekwon-Do Federation (ITF)<\/strong>\u00a0verbreitet. Sie betont die Trennung von\u00a0<em>Tae<\/em>,\u00a0<em>Kwon<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Do<\/em>, um die philosophische Bedeutung jedes Elements hervorzuheben.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Taekwondo<\/strong>: Die durchg\u00e4ngige Schreibweise wurde von der\u00a0<strong>World Taekwondo (WT, ehemals WTF)<\/strong>\u00a0\u00fcbernommen. Damit setzte sich der j\u00fcngere Weltverband von der ITF ab. Er orientierte sich aber auch an moderner Linguistik und der internationalen Vermarktung des Sports, insbesondere im Zuge der Anerkennung als olympische Disziplin.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ein Beitrag von Taekwondo Aktuell Der richtige Begriff zur richtigen Zeit\u201eIch brauchte dringend einen neuen Namen.\u201c Der 11. 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